2033 Teil 1

Ein Tag wie jeder andere, grau und fahl,
sein Leben Durchschnitt, letztendlich banal,
so grau wie der Himmel, gänzlich wolkenverhangen,
war er mit dem Kopf am Kinn ins Büro gegangen.

Über seinen traurigen Rekord hatte er noch gelacht,
gestern war tatsächlich die 3000te Nacht,
die er allein mit sich verbringen musste
und er sich wirklich nicht zu helfen wusste.

Seit dem man seit fast 11 Jahren im Lockdown lebte
und in völlig unwirklichen Welten schwebte,
war es auf dem Weg in die Arbeit und wieder zurück,
jemanden kennenzulernen, wahrlich, mehr als Glück.

Zumal mal unter den neuartigen Masken, die den kompletten Kopf bedeckten,
man nur erahnen konnte welche Gesichter oder Geschlechter dahinter steckten.
Und unter den Einheitsanzügen
Unisex FFFP 7,
kam jeder körperliche Reiz, wahrlich, gänzlich zum erliegen.

Die Suche nach Bekanntschaften im letztverbliebenen Online Portal,
wurde dank der bewussten Masken ebenfalls komplett zu Qual.
Zwar hatte man schnell auf den Button Stimmprobe geklickt
und man bekam dann einen festlegten Satz als Audiodatei geschickt…

…doch auch hier wurde zunehmend gefaket mit den entsprechenden Möglichkeiten
und so blieben doch ganz erhebliche Ungewissheiten.
Hatte man sich dann tatsächlich in den dafür festgelegten Emo-Sphären getroffen,
konnte man nur auf ungespielte Authentizitäten hoffen.

Masken und Anzüge durften nur nachts abgelegt sein
und man schloss sich zum Schlafen in speziell gesicherten Kapseln ein.
So war körperliche Nähe ebenfalls nur unter speziellen Vorkehrungen möglich
und so scheiterten so manche Zusammenkünfte, logischerweise, kläglich.

Sexualität, Hautkontakt, Küssen oder dergleichen,
mussten empfohlener Weise, den virtuellen Ausweichmöglichkeiten weichen.
Dafür wurden vom „Viraliarchat“ die Mittel gestellt
damit es den Menschen in Ihren Einheitsbehausungen besonders gut gefällt.

So war es mittlerweile Trend sich virtuell zu „verbinden“,
anstatt sich mit einem realen Partner abzuschinden.
Auch er hatte dies schon oft und teilweise euphorisch genossen,
doch war er mehr und mehr im Wunsch realer Berührung zerflossen.

Auch wenn dies bedeuten würde sich nur nachts wenige Stunden zu empfinden,
denn in der Schlaf-Kapsel die Kräfte so rasend schnell schwinden.
Ob dies möglicherweise an einer Manipulation lag
oder einfach nur geschuldet war einem besonders harten Tag…

…war bis heute niemals irgendjemandem klar
doch das Arbeitsleben, zweifellos, besonders heftig war.
12-14 Stunden am Tag, in der Woche an 6 Tagen,
da konnte niemand in der „Freizeit“ besondere Energien wagen.

Der Mensch war verkümmert zum Lastentier,
um zu befriedigen der Obrigkeiten Gier.
Kneipenbesuche, Urlaub, Kultur komplett verboten,
um die Infektionszahlen möglichst im Detail auszuloten.

So war das Leben verkommen zu reiner Funktion
und Überleben war am Ende der eigentliche Lohn.
Immer öfter wurde deshalb in Frage gestellt,
was den Menschen tatsächlich noch am
Leben hält.

Die Suizid Raten lagen deshalb mittlerweile in 2 stelligen Prozent-Bereichen
und jeden Tag gab es neue Selbstmord Leichen.
Am Ende war den Menschen nur das Leben an sich geblieben,
denn der Virus hatte alles mit sich aufgerieben.

Kein Feiern mehr, kein Kino, kein Zoobesuch,
alle sozialen Treffen in Realität, ein wahrer Fluch.
Die meisten Möglichkeiten waren bereits ohnehin abgeschafft,
weil sonst ja eine Lücke zwischen Nachfrage und Angebot klafft.

Außerdem waren vor- und nachher jeweils Schnelltests wichtig
sonst wären alle Maßnahmen komplett null und nichtig.
Die Infektionsketten nachzuvollziehen war elementar,
das war mittlerweile sogar den Beratungsresistentesten klar.

Nachdem zu Beginn viel zu viele alles auf die leichte Schulter nahmen,
geriet tatsächlich alles aus wahrlich jedem Rahmen.
Erst als der Virus mutiert war, zum
wiederholten Mal,
sahen auch die größten Zweifler keinerlei Wahl.

Die direkten Opferzahlen hatten alle in Angst und Schrecken versetzt
und die anschließenden Tumulte hatten den Überlebenden zudem zugesetzt.
Denn fast 1 Milliarde Menschen waren direkte Opfer des Virus geworden
und mitten in der Pandemie begann dann auch noch das große Morden.

Und bis Sie die Unruhen der gespaltenen Bevölkerung endlich unter Kontrolle brachten,
starben weitere 100te Millionen Menschen in riesigen, anarchistischen, Strassenschlachten.
So hatten die Menschen sich zusätzlich gegen einander verrannt
und letztendlich blieben riesige Geisterstädte, völlig leer und ausgebrannt !

Die Regierungen hatten fast nur zugesehen ohne dass Sie agierten
als sich die Menschen hass-und angsterfüllt gegenseitig dezimierten.
Dann folgten Militärschlage, effizient und präventiv
seitdem sitzt der Schock der Menschen auf der ganzen Welt so tief.

In Schutt und Asche gelegt, die 4 größten Städte der Welt,
so war es um jedweden Widerstand schlagartig nicht mehr wirklich gut bestellt.
Denn in Tokio, Jakarta, Delhi und Mumbai,
war es für mehr als 120 Millionen Leben…. auf einen Schlag vorbei.

So fügte man sich selbstverständlich dem „Viraliarchat“
und unterwarf sich deren Herrschaft und Ihrem Rat.
Zusammengesetzt aus den einflussreichsten Konzernen der Pharmaindustrie
und Ihren Führern im Hintergrund, doch die erblickte man nie.

Als dann der Virus mehr als ein Dutzend mal
mutierte
und tatsächlich jedes, bis damals funktionierende, System kollabierte,
bauten Sie zunehmend aus, ihre Machtpositionen
und jeden der sich ihnen entgegensetzte sollten Sie nicht schonen.

So verschwanden immer wieder einmal Arbeitskollegen,
doch dank dem Virus sollte dies nur seltenst Verdacht erregen.
Selbst von den Familien, die man kaum noch treffen sollte,
keiner die Details des Ablebens, hinterfragen wollte.

Und so lebte er, 2033 in Berlin, mit seinen 23 Jahren
und im in herum starben weiterhin die Menschen in Scharen.
10 Jahre seines Lebens durfte er ohne den Virus leben,
doch konnte er es sich nicht erlauben, sich den Erinnerungen hinzugeben.

Nichts mehr wahr so wie es einstmals gewesen
und wie es die Kinder heute im online Unterricht lesen.
Also blieb Ihm nichts als sich, wie alle anderen, seinem Schicksal zu ergeben
und sich ohne sich vor Verzweiflung selbst zu richten, irgendwie zu überleben.

Er selbst war einer von 4 Geschwistern und ein Herdentier,
deshalb wuchs trotz schierer Unmöglichkeit,
nach einer eigenen Familie, die Gier.
Wie er im Betrieb erfuhr sollte dies nur den Eliten vorbehalten bleiben,
doch wollte er seine Möglichkeiten trotz allem weiter treiben.

So hatte er erfahren, dass er etwas besonderes war,
denn seine spezielle „Fähigkeit“ wurden vor kurzem offenbar.
Nur ganz wenige Männer waren nach den Impfungen noch zeugungsfähig geblieben,
drum hatten die Samenbanken die Preise in unendliche Höhen getrieben.

Als er, zur Routineuntersuchung,
sich, entsprechend, testen ließ,
man Ihn danach direkt zu einem der Anwerber verwies.
So hatte sein Schicksal eine maßgebliche Wende genommen,
denn war er zwar nun zu einer Art kontaktlosem Deckhengst verkommen…

… hatten sich doch entsprechende Möglichkeiten aufgetan,
denn einige Vorteile sollten Ihm nun tatsächlich widerfahr‘n.
Wesentlich mehr Geld und Kontakterleichterung mit dem
anderen Geschlecht,
also körperliche Nähe wahrhaftig, live, maskenlos und echt.

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