Category Federleichtes zur Nacht

Das krieg ICH hin

 

Hab mich kopflos der Guillotine ergeben
um meine Gedankenwelt in tiefere Level zu heben.
Wurde maßgeblich aber erfolglos gepfählt,
weil meinem Zielorgan die nötige Weichheit fehlt.
Ich blieb eisern, aber unverdrossen,
bin doch recht zäh aus der Jungfrau herausgeflossen.
Sah entspannt nach oben als das Seil Wellen schlug,
denn der Galgen war witziger Weise nicht kurz genug.
Auf dem Scheiterhaufen wär ich allerdings fast ertrunken,
und das von der Sintflut durchnässte Holz hat mächtig gestunken.
Am Ende ließ ich die andern die Messer wetzen
und vermochte doch nur selbst mich massiv zu verletzen.

Wirre Welten

Muss ich die Schatten verkürzen
um mein Dasein zu strecken,
mag ich die Wunden erst schließen
um sie eitrig zu lecken ?
Kann ich mich dauerhaft
im grellsten Licht verstecken,
ohne beim Eintritt in die Dunkelheit
direkt anzuecken ?
Kann ich endlich akzeptieren aufzubegehren
und darf ich mich sättigen
beim eigenen Verzehren ?
Will ich tatsächlich dürfen
um müssen zu lernen,
oder möchte ich mich mir nähern
um mich endlich zu entfernen ?
Warum reflektiere ich mich ständig
so desinteressiert,
während das Außen so maßlos
in mir implodiert ?
Kann ich mich nicht einfach treiben lassen,
um getrieben an meiner selbst
zu verblassen ?
Am Ende egal denn die Wahl bleibt selten,
drum schreib ich mich so gerne
in völlig wirre Welten…

Schimäre

Die Wunde hatte sich doch schon recht gut geschlossen, es war nur noch sehr wenig Sekret aus ihr heraus geflossen, doch dann ist sie durch Dein Zutun wieder aufgebrochen, Du hast mit eitrigem Finger mitten hinein gestochen.
Jetzt breitet sich sukzessive der Wundbrand in mir aus, ich lass es gerne zu, mach mir nichts draus.
Sehe zu wie er Herz und Seele ergreift
und mehr und mehr zur Schimäre reift.
Sie darf mein Herz beschweren,
meine Seele verzehren,
die Bosheiten in mir zum Leben erwecken, ich musste sie viel zu lange tief in mir verstecken.
Letztendlich muss ich Dir dann doch wohl danken, Du hast sie niedergerissen, die künstlichen Schranken.
Doch sollten wir beide besser niemals vergessen, die Geister werden am Ende wohl uns beide fressen ….!

Börsenhandel 2.0

Ich will mich ent(b)ehren um mich
würdig zu erweisen,
denn stets konform darf ich mich
zwingen zu entgleisen.
Werde ausbrechen um der Norm
zu versprechen,
Ungefragtes wird sich auf Dauer
sicher rächen.
Muss mich perfektionieren
um kein Meister zu werden,
darf endlich abheben um mich
vollends zu erden.
So mag ich mich gern einen
versklavten Befreiten nennen
um im Untergang all die neuen
Möglichkeiten zu erkennen.
Greife dank meiner Passivität
beim Abriss aktiv ein
und betrinke mich euphorisch
an vergiftetem Wein.
Der an Börsen gehandelt
zum Luxusartikel mutiert,
damit er die Gier ganz weniger glanzvoll ziert.
Mit mir selbst im Reinen
soll ich dann verenden,
um mich nicht weiter meiner
selbst Willen zu verschwenden.

Erloschen

Ich tanze für andere mit
zerschmetterten Beinen,
denn ich bin schon lang mit mir
aus allem Reinen.
Mal im Drehen wirre Kreise
mit meines Herzens Blut,
verspüre kaum Kraft,
geschweige denn Mut.
Hab mich meiner selbst Willen neutralisiert, mir alle Emotionen aus dem Sein seziert.
So (ver)wahre ich nach außen
den trügenden Schein,
um in mir mein eigner
Seelenmörder zu sein.
Sitze verschüttet in meiner
selbst gegrabenen Gruft
und berausche mich am
eigenen Verwesungsduft.
Ertrunken in Tränen,
mag ich mich endlich sicher wähnen.
Denn versalzen in mir,
erlischt tatsächlich jegliche Gier.